Partnerschaft zwischen der Städtischen Hauptschule und der Santa Rosa Secondary School in Guyana


Die Lehrerkonferenz der “Hauptschule Am Hammer” beschloss 1996, die Schule solle sich in Zukunft mehr dem gesellschaftlichen Raum der Stadt öffnen. Als möglicher Anknüpfungspunkt wurde hervorgehoben, dass Leichlingen seit 1993 Mitglied im „Klima-Bündnis Europäischer Städte mit den indigenen Regenwaldvölkern Amazoniens“ war. Themen wie Energie, Regenwald, Klima, Verantwortlichkeit der „Ersten“ Welt usw. könnten dadurch viel lebensnäher in den Unterricht vieler Fächer eingebracht werden.

Ungefähr zu dieser Zeit wurde eine Broschüre von der Europäischen Klima-Bündnis-Zentrale veröffentlicht, in der Projekte indigener Organisationen vorgestellt wurden in der Hoffnung auf finanzielle Unterstützung. Hartmut Krüger, Lehrer an der „Hauptschule Am Hammer“, fiel ein Projekt in Guyana auf, bei dem um Hilfe beim Bau eines Wohnheims für SchülerInnen der Santa Rosa Secondary School gebeten wurde, die in weitab gelegenen Gebieten des Regenwaldes lebten. Das Wohnheim im Dorf Moruca sollte ihnen den Zugang zu einer höheren Ausbildung ermöglichen.

Das Projekt offenbarte noch weitere Vorteile und Bezüge zu der Leichlinger Schule: Die Schüler schienen Englisch als Fremdsprache zu lernen wie die Leichlinger, und das war wichtig für die Umsetzung von Briefpartnerschaften. Hinzu kam, dass das Wohnheim durch die Arbeitskraft von Eltern, Schülern, Lehrern und Freunden der Schule errichtet werden sollte. An der Hauptschule war auf dieselbe Weise und wegen fehlender städtischer Mittel ein Backhaus gebaut worden, in dem die Schüler nun lernen, Brot, Pizza, Kuchen usw. zu backen.

Das Partnerschaftsprojekt wurde im Juni 1997 beim Sommerfest unter dem Motto „Hauptschule international“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Durch Kooperation mit den Klima-Bündnis-Städten Chemnitz und Hagen konnte das Wohnheim finanziert und fertig gestellt werden. Mittlerweile ist  der Kontakt zwischen beiden Schulen ausgeweitet worden, z.B. durch eine aktive Schülerkorrespondenz. Die Partnerschaft ist Unterrichtsthema und wird z.Zt. in die Stoffverteilungspläne für Erdkunde, Geschichte/Politik, Deutsch und Religion eingearbeitet.

Bei einem privat finanzierten Besuch in Moruca über Ostern 1998 erkannte Herr Krüger die Notwendigkeit der Beschaffung von Möbeln für das leere Wohnheim ebenso wie des Baus eines Umkleideraums für solche Schüler, die immer noch täglich bis zu zwei Stunden für den Weg zur Schule - zu Fuß oder per Kanu – unterwegs waren. Bis Ende 1999 wurden die acht Zimmer der 32 WohnheimschülerInnen mit Schränken und Doppelbetten ausgerüstet.

Mittlerweile unterstützten auch die regionale Sektion der Gewerkschaft für Erziehung (GEW) und die Kreisgruppe des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz – Friends of the Earth Germany) das Projekt finanziell und durch Öffentlichkeitsarbeit. ADVENIAT, die bischöfliche Aktion in Essen, half dabei, Spenden direkt in das Regenwalddorf zu transferieren.

Auf Einladung der Hauptschule besuchte Senior Master Victor Ferreira die Partnerschule im Juni 2001. Einladungen zu Vorträgen in Hagener Schulen und dem Chemnitzer Rathaus folgten. Der Chemnitzer Oberbürgermeister war sehr beeindruckt von der Partnerschaft und den Leistungen der Schule in Moruca (10.Platz unter 36 Secondary Schulen in Guyana, gemessen an der Güte der Abitursergebnisse), dass er eine Spende von 10.000 DM zusagte. Das Geld sollte zum Bau einer Solaranlage benutzt werden, die den Strom für den Betrieb von Computern, einer Videoanlage für Unterricht und öffentliche Filmvorführungen sichern und im Wohnheim wie auch im Unterricht der Beleuchtung dienen sollte.. Die Eintrittsgelder für die Videoshows in diesem Dorf ohne Kino, Fernsehen und Elektrizität sollen helfen, die Wartung der Solarbatterien zu finanzieren.

Große Überraschung herrschte an der Hauptschule, als Herr Ferreira kurze Zeit nach seiner Heimkehr berichtete, dass die Santa Rosa Secondary School mit Unterstützung der örtlichen Schulbehörde als auch des Regierungspräsidenten beabsichtigte, 6 Schüler, 2 Lehrkräfte und Projektleiter Krü- ger als nach Moruca einzuladen. Niemand glaubte, dass die Hauptschule in der Lage sein würde, die Einladung anzunehmen, besonders wegen der hohen Flugkosten. Aber nach 14 erfolglosen Anträgen fand man in der Carl-Duisberg-Gesellschaft den unentbehrlichen Unterstützer.

Dadurch war es möglich, dass im Mai 2002 die erste und einzige Reisegruppe einer Leichlinger Schule nach Südamerika unterwegs war. Sie errichtete dort auf dem Dach ihrer Partnerschule die 6-modulige Solaranlage, obwohl noch niemand aus der Gruppe so etwas schon gemacht hatte.
Etwa 150 Meter Kabel wurden in den beiden Stockwerken zu den unterschiedlichen Geräten gelegt und eine komplette Computerausrüstung installiert.

Der Höhepunkt war und ist aber natürlich das Satellitentelephon, an das ein Faxgerät angeschlossen ist. In einem Umkreis von 120 km ist diese Anlage einzigartig, und so berichtet Herr Ferreira immer
wieder von der Freude über die schnelle Kommunikation und die neue Erfahrung der Schüler, in die Welt der Technologie versetzt zu sein. Seit 10 Monaten funktionieren alle Gerätschaften, und die „students“ tragen sich ungeduldig in die Wartelisten für die Benutzung der Computerausrüstung ein.

Leichlingen ist durch das Projekt bekannt geworden. Die Reisegruppe wurde vom Erziehungsminister in Georgetown und in Gegenwart des Staatsfernsehens empfangen. 
Herr Krüger nutzte die Gelegenheit, über Leichlingen und die Ziele des Klima-Bündnis zu berichten.
Die Europäische Klima-Bündnis-Zentrale  zeichnete das Vorhaben als „Projekt des Monats“ aus und informierte über die englische Kurzfassung die ca.1.200 europäischen Mitgliedskommunen. Es wurde zur Vorstellung bei der UNO-Konferenz in Johannesburg vorgeschlagen.
Die Schule durfte das Projekt bei dem Weltkongress für erneuerbare Energien im Juni 2002 in Köln präsentieren und wurde vom Schulministerium NRW für seine Vorreiterrolle ausgezeichnet.

Das ganze Partnerschaftsprojekt hat die SchülerInnen der Hauptschule in hohem Maße berührt, so dass bei den beiden „sponsored walks for Moruca“ im Juni 2001 und März 2002 eine nicht für möglich gehaltene Fördersumme erlaufen wurde. Eine Arbeitsgemeinschaft übt guyanische Lieder ein, und die Schule hat für die Guyana-Band vier Steel Drums angeschafft.. Die Stadtverwaltung zeigt großes Interesse und hilft u.a durch Briefe an wichtige politische Adressaten in Südamerika mit.

Der nächste Höhepunkt der Klima-Bündnis-Aktivitäten Leichlingens und der Hauptschule war im  Juni/Juli 2003 der dreiwöchige Besuch von 5 Abiturienten und 2 Lehrkräften aus Moruca.