News-Detailansicht

Der Eichenprozessionsspinner hält den Bauhof auf Trab

|   Pressemitteilungen

Seit etwa vier Wochen sind die Raupen des Eichenprozessionsspinners in den Leichlinger Bäumen wieder aktiv. Ihre Nester, die an dichte Spinnweben erinnern, können aktuell in der Natur gefunden werden. Die Jungraupen des Schmetterlings schlüpfen Anfang Mai und durchlaufen fünf bis sechs Entwicklungsstadien bis zur Verpuppung. Etwa 100 Tiere fasst ein Gespinst.  Des Nachts machen sich Gruppen von 20 bis 30 Individuen in einer prozessionsartigen Formation auf Nahrungssuche. Die Raupen befallen mit Vorliebe die deutsche Eiche, da deren Blätter besonders zart sind. Die älteren Raupen ziehen sich tagsüber in ihre Gespinste am Stamm oder in Astgabeln zurück. Im Laufe ihrer Entwicklung bilden die Insekten Brennhaare mit Widerhaken aus, die ein Nesselgift enthalten, das bei Menschen allergische Reaktionen hervorrufen kann. Dass der Befall in Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren stieg, ist der Klimaerwärmung geschuldet. Denn die Raupen, die bisher vor allem in Süddeutschland besonders rege waren, gedeihen gut bei Hitze. Die Gespinster selbst sind ungefährlich, solange sie intakt bleiben. Die Brennhaare der Raupen entwickeln sich erst dann zu einem Problem, wenn die Nester beschädigt werden und die Haare vom Wind erfasst und weitergetragen werden können. Deshalb sollte man auf keinen Fall versuchen, entdeckte Nester selbst zu beseitigen – denn solche Aktionen sorgen in der Regel erst dafür, dass die Brennhaare sich verstärkt ausbreiten.

In einer Pressekonferenz auf dem ebenfalls befallenen Friedhof Am Kellerhansberg informierten Andreas Pöppel, der Leiter des Leichlinger Bauhofs, und Bürgermeister Frank Steffes über die aktuelle Befalls-Situation im Stadtgebiet. Wenn Bürger*innen Nester auf öffentlichen Plätzen entdecken, können sie diese beim Ordnungsamt oder dem Bauhof melden. Noch am Tag der Sichtung begutachtet ein Baumkontrolleur dann die Lage vor Ort. Die befallenen Bäume werden markiert und abgesperrt. Bis die Nester entfernt werden, können je nach Befall aber ein paar Tage ins Land gehen. Denn wo ein Gespinst gefunden wird, beherbergt der betroffene Baum unter Umständen noch weitere Raupen in einem früheren Entwicklungsstadium, die sich ein paar Tage später in einem neuen Nest sammeln. Es macht also Sinn, einen relativ starken Befall abzuwarten, um nicht mehrfach dieselben Bäume behandeln zu müssen. Ab drei Nestern wird der Bauhof aktiv. Da die Raupen die schützenden Gespinste nur des Nachts verlassen, besteht in der Regel keine akute Gefahr eines Hautkontakts mit dem Nesselgift, solange man nicht versucht, das Nest unsachgemäß zu zerstören.

In Ausnahmefällen, zum Beispiel wenn ein Gespinst besonders niedrig hängt oder an einem viel besuchten Ort wie der Gemeinschaftsgrundschule Büscherhof gesichtet wird, reagiert der Bauhof zum Schutz der Anwohner*innen schnell und entfernt das Nest sofort, auch auf die Gefahr hin, dass der Baum kurz darauf erneut behandelt werden muss. Das Gespinst wird mit einem Bindemittel eingesprüht und dann in Gänze entfernt. Dadurch minimiert man das Risiko, dass die Brennhaare vom Wind davongetragen werden und sich in der Umgebung verbreiten. Nachdem das Nest entfernt wurde, wird die Baumfläche noch einmal eingesprüht, um eventuell zurückgebliebene Brennhaare zu fixieren. Der Bauhof arbeitet mit einem lokalen Unternehmen zusammen, das die Gespinste im öffentlichen Raum professionell entfernt. Dabei tragen die geschulten Mitarbeiter*innen Handschuhe, Gesichtsschutz und Einmal-Schutzanzüge, die anschließend entsorgt werden müssen. Denn die Brennhaare setzen sich gerne an Kleidung und Schuhwerk fest und können so immer wieder zu Hautirritationen führen. Für das Entfernen der Nester auf Privatgrundstücken sind die Eigentümer*innen selbst verantwortlich.

Der Befall der Leichlinger Bäume scheint im Vergleich zum Vorjahr konstant. Die Entfernungskosten sind abhängig vom Aufwand, der pro Baum und Befall variiert. Im letzten Jahr investierte die Stadt rund 12.000 Euro in die Bekämpfung der Raupen. Für den kommenden Frühling will der Bauhof sich von einer Aktion der Stadt Mettmann inspirieren lassen. Dort wurden vermehrt Meisenkästen im Stadtgebiet angebracht, um Brutpaare zu unterstützen. Das wirkt nicht nur dem Vogelsterben entgegen, sondern kann auch die Verbreitung der Raupen behindern. Denn Meisen und andere Singvögel sind natürliche Feinde der kleinen Insekten. Noch bevor diese das Stadium erreichen, indem sie sich in die Gespinste zurückziehen und Brennhaare ausbilden, sind sie ein gefundenes Fressen für die gefiederten Jäger.

Wenn Sie ein Nest im öffentlichen Raum entdecken, melden Sie es, falls der befallene Baum noch nicht abgesperrt wurde. Grundsätzlich ist es ratsam, befallene Gebiete zu meiden. Berühren Sie Raupen und Gespinste auf keinen Fall und versuchen Sie auch nicht selbst, das Nest zu entfernen – damit riskieren sie nur eine stärkere Ausbreitung der Brennhaare. Sollte die Möglichkeit bestehen, dass Sie mit dem Nesselgift in Kontakt gekommen sind, ist ein schnellstmöglicher Kleiderwechsel und ein Duschbad mit Haarreinigung ratsam, um Hautirritationen und allergischen Reaktionen bestmöglich vorzubeugen.
 

Der Spielplatz Weißdornweg bleibt aufgrund von Befall der Bäume mit dem Eichenprozessionsspinner und weiteren Sicherheitsgefährdungen durch Totholz leider bis auf Weiteres gesperrt.

Suche starten