Seit 43 Jahren arbeitet sie für die Stadtverwaltung Leichlingen – und noch immer wirkt sie nicht wie eine klassische Beamtin. Ute Gerhards (64), Mitte der 80er Jahre zunächst gestartet als Stadtsprecherin – ein Amt, das es im Leichlinger Rathaus zuvor nicht gab und das sie persönlich prägte –, zuletzt Stabsstellenleiterin des Bürgermeisters mit Verantwortung für sechs zentrale Abteilungen, geht Anfang 2026 in den Ruhestand. Ihre Heimatstadt, für sie immer die „weltbeste Blütenstadt“, hat sie mit Ideenreichtum, Kreativität, Organisationstalent und Durchsetzungsvermögen in vielfältiger Weise geprägt. Viele ihrer Ideen leben in Leichlingen fort.
Andere Herausforderungen lockten schon, doch sie ist ihr Berufsleben lang dem „Blütenstädtchen“ treu geblieben. Die Stadtdirektoren und Bürgermeister wechselten, denen sie loyal und parteiunabhängig zuarbeitete. Nach dem Abitur am Leichlinger Gymnasium und Examen zur Diplom-Verwaltungswirtin an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Köln war sie zunächst die erste Pressesprecherin der Stadt. Für Ute Weber, später verheiratete Gerhards, war es von Anfang an wichtig, die Leichlingerinnen und Leichlinger bestmöglich zu informieren, das Gemeinschaftsgefühl in der Stadt sowie das Image der Verwaltung zu fördern. Ihr Motto: Agieren statt reagieren – und auch als Verwaltung mal neue Wege beschreiten und etwas Ausgefallenes auf die Beine stellen.
Das geschah neben städtischen Publikationen wie der Direktvermarktungsbroschüre „Höferoute“, Rathausführer, Unterkünfte- und Restaurantverzeichnis, Freizeit-, Neubürgerbroschüren und Umweltfibeln vor allem über publikumsintensive Veranstaltungen, die sie persönlich ins Leben rief und organisierte. So gab es von 1987 bis 1994 die Leichlinger Umwelttage, bei denen sich mit Kabarett, Vorträgen, Ausstellungen und Exkursionen zwei Wochen lang alles um das Themenfeld Umwelt drehte. Rund 50 Naturschutzgruppen, Vereine und Schulen beteiligten sich.
Um das „Wir-Gefühl“ in der Stadt zu unterstützen, organisierte sie ab 1989 zusammen mit der Deutschen Bahn und dem Reisebüro Hüttebräucker die begehrten Sonderzugfahrten „Eine Stadt geht auf Reisen“. Die erste Sonderzugfahrt führte nach Bremen. Die Resonanz war mit deutlich über 1.200 Teilnehmenden so groß, dass jährlich weitere Zugfahrten nach Heidelberg, Würzburg, Luxemburg, Brügge, Wiesbaden folgten. Später – Gerhards war in Elternzeit – wurde ihre Aktion als „Karl-Reul-Express“ von der CDU noch eine Zeit lang fortgesetzt.
2001 rief sie den ersten „Kinder-Sommer“, das große Leichlinger Kinder- und Familienfest, auf dem Spielplatz unterhalb der Feuerwache Am Wallgraben ins Leben. Viele Jugendorganisationen, Vereine, Gruppen, Künstler*innen und Fördervereine folgten ihrem Aufruf und stellen bis heute – jährlich in den Sommerferien – ein kostenfreies und kunterbuntes Programm für die Kinder auf die Beine. In den ersten fünf Jahren organisierte Gerhards zudem Künstler*innen, die gemeinsam mit den Kindern eine Skulptur fertigten, die im Stadtzentrum aufgestellt wurde. So entstanden die „Buntstifte-Mikado-Skulptur“ und die „Schmetterlings- und Libellenwiese“ in der Brückenstraße, der „Rappelkopp“, die Sandsteinskulptur von Berthold Welter und das Indianer-Tipi im Neuen Stadtpark, die „Eule“ am Kreisel Montanusstraße.
Auch für den „Leichlinger Frühling“, die Wirtschaftswoche (WiWo) in der Balker Aue oder die Aktion Gesundheit in Leichlingen (AGIL) motivierte Gerhards zahlreiche Mitstreiter*innen. Zum 25-jährigen Bestehen des Verwaltungsgebäudes Am Büscherhof 1 organisierte sie 1998 ein buntes Festprogramm. Rund 70 Vereine, Gruppen, Schulen und Institutionen legten sich ins Zeug, als erstmalig im Neuen Stadtpark gefeiert wurde. Die Resonanz war so groß, dass sich ab 2000 aus dem Rathausfest das „Bürgerfest“ etablierte, das fortan alle zwei Jahre stattfand. Publikumsmagneten waren unter anderen die Auftritte der legendären Kölner Kultband „Köbes Underground“, aber auch Tommy Engels oder „Still Collins“, die jeweils zum Festende drei Stunden lang Rock, Soul und Pop spritzig servierten – umsonst und draußen. Ein Höhepunkt der Festaktivitäten war 2006, als Leichlingen sein Stadtjubiläum (150 Jahre Stadtrechte) mit zusätzlich einem historischen Handwerkermarkt im Alten Stadtpark (übrigens das erste Fest auf diesem Gelände) und einem Oldtimer-Event im Brückerfeld feierte.
Ähnlich groß war der Andrang, als Gerhards 2009 ein Volksfest mit Handwerkermarkt anlässlich des 825-jährigen Bestehens Witzheldens plante. Ausgehend vom Marktplatz rund um den „Alten vom Berg“ dehnten sich die über 100 Stände der Handwerksbetriebe vom Ortskern sternförmig aus. Vieles spielte sich in privaten Gärten und Hinterhöfen ab. Ganz Witzhelden feierte wahrlich ein Volksfest.
Einen Rekordbesuch erlebte auch die Landesgartenschau 2005 in Leverkusen zu ihrem „Leichlingen Tag“ am 20. August. Dem Aufruf von Gerhards, Leichlingen auf der LaGa zu präsentieren, folgten 1.400 Aktive. Langwierige Baustellen zu einem Fest machen? Auch das schaffte sie, ließ einer Großbaustelle in der Neukirchener Straße einen „Tag des Kanals“ mit einer Besichtigung und Musik im Hauptsammler folgen. Zusammen mit Ursula Roy (Wiv) und Georg Ott organisierte sie das „Kreiselfest“ im Stadtzentrum und servierte mit einem Team der Stadtverwaltung unter Beteiligung von Bürgermeister Ernst Müller 2003 nach den Bauarbeiten am Kreisverkehr Montanusstraße 400 Teilnehmenden die mit 150 Metern „längste Bergische Kaffeetafel“ in der Brückenstraße.
Neben all diesen Festivitäten und Aktionen war Gerhards nicht nur Stadtsprecherin und persönliche Referentin des Bürgermeisters, sondern auch Amtsleiterin für ein Team in sechs Abteilungen des Büro Bürgermeister für
Unter ihrer Leitung wurde u.a. 2019 das zentrale und digitale Ratsbüro sowie das erste städtische Logo (ein stilisierter Apfel) eingeführt.
Gerhards war es auch, die 1999 zusammen mit einem externen Web-Designer die erste städtische Homepage redaktionell und strukturell gestaltete. 20 Jahre und vier Relaunches der städtischen Website später geht es heute vor allem darum, die Homepage mit Online-Anwendungen zukunftssicher zu machen, Behördengänge zu ersparen und Verfahren zu vereinfachen.
Gerade in Krisensituationen ist die Kommunikationsarbeit gefordert. Bürgermeister Frank Steffes hat in den letzten Jahren allein fünf Krisenstäbe – Starkregen, Corona, Hochwasser, Ukrainekrieg und Energie sowie Hacker-Angriff – ins Leben gerufen, deren Arbeit Gerhards und ihr Team mitprägten und kommunizierten. Stets muss die Stadtgesellschaft in solchen Fällen bestmöglich und auf allen Kanälen informiert werden und erfahren, welche Entscheidungen in diesen Ausnahmesituationen getroffen werden, welche Vorkehrungen man treffen sollte.
Dankbar ist Gerhards, dass sie als zuständige Amtsleiterin der Kulturabteilung weiterhin eigene Ideen umsetzen konnte. Kultur im Schloss (KiS), die etwas anderen, ausgefallenen Karikatur-, Konzert-, Lese- oder Klavier-Kabarettabende mit teils namhaften Künstler*innen im Schloss Eicherhof, gehören sicherlich zu ihren Lieblingsveranstaltungen. Als Corona mit den entsprechenden Abstandsregelungen und Auflagen Aufführungen dort unmöglich machte und das Hochwasser zudem alle bislang für die Kultur genutzten Spielorte verwüstet hatte, suchte Gerhards neue Veranstaltungsorte unter freiem Himmel, nutzte die Krise als Chance für Neues. Mit Unterstützung einiger Landwirtschaftsbetriebe, die Speicher, Innenhöfe und offenen Reitställe zu Verfügung stellen, wurde die Veranstaltungsreihe „Kultur auf dem Hof“ geboren, die auf sehr große Resonanz stieß und seitdem Bestandteil des Kulturprogramms ist. Auch „Kino im Park“ trug die Kultur ins Freie.
„Ich bin sehr dankbar für all das, was ich in meinem Berufsleben in großer Freiheit und Selbstständigkeit umsetzen durfte“, blickt Gerhards zurück. „Gemeinsam mit so vielen Menschen zum Beispiel ein Fest auf die Beine zu stellen und zu sehen, wie viele sich daran erfreuen, ist einfach das Größte.“ Sehr viel Gemeinschaftsgefühl sei während der Corona-Pandemie und danach abhandengekommen. „Das muss sich dringend wieder ändern!“
Mit ihrer Leidenschaft für viele gemeinschaftsstiftende Aktionen konnte Ute Gerhards immer wieder Menschen mitreißen und zum Mittun motivieren. Ihr Aufruf im Kolleginnenkreis zur „Attacke!“ ist rathausintern legendär. Und dass für sie das Wort „Ruhestand“ weiterhin immer ein Fremdwort bleiben wird, ist den Vielen, die sie kennen, eine Gewissheit.
Die Stadtverwaltung dankt Ute Gerhards für ihren arbeitslebenslangen, unermüdlichen Einsatz für die Blütenstadt und wünscht ihr alles Gute für den wohlverdienten Ruhestand.
Bild: © S. Chun/Stadt Leichlingen
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