„Von der Amtsstube zum Rathaus“


Foto vom Rathaus der Stadt Leichlingen

25 Jahre Leichlinger Rathaus

„Die gute alte Zeit“, in der das Verwaltungsgeschäft durch den Bürgermeister in seiner Amtsstube erledigt werden konnte, ist Geschichte, und es mag zum Schmunzeln anregen, wenn wir hören, daß der erste Bürgermeister von Leichlingen im Jahre 1819 seine Amtsstube mit einigen Stühlen, einem schwarzen Schreibtisch und zwei blau gestrichenen Schränken, in denen auch noch acht Hacken für notwendige Wegearbeiten abgestellt werden mußten, ausstattete und die damals 3000 Einwohner zählende Gemeinde von hier aus gut betreuen konnte.

Tausend Jahre Gemeinwesen sind gleichbedeutend mit einer tausendjährigen, sich ständig wandelnden Verwaltung. Die ältesten Verlautbarungen berichten von einer Kirche und einem Herrenhof in Leichlingen, die der erzbischöflichen Verwaltung in Köln unterstanden. Aber schon 1019 übertrug Erzbischof Heribert seine Rechte dem Benediktinerkloster Deutz. Der Abt des Klosters erhielt damit die Verwaltungshoheit in Leichlingen und übte die Rechte eines Grund-, Lehns- und Waldherrn aus. Als seinen Vertreter berief er einen Schultheiß oder Villicus, der vom Fronhof, dem Buscherhof, aus seinen Dienst in Leichlingen versah. Er beaufsichtigte die Wirtschaft von 21 Klostergütern, die mit dem Buscherhof eine Hofgemeinschaft eigener Art bildeten. Die Gemeindeordnung der ältesten Leichlinger Hofgemeinschaft, das Weißtum vom 28. Juli 1457, verpflichtete die adeligen und unadeligen Deutzer Lehnsleute, sich dreimal jährlich im Buscherhof zum Leichlinger Hofgericht zu versammeln, der Institution für die Rechtspflege der Klostergüter. Die Rechtshändel der weltlichen Höfe wurden in dem Leichlinger Landgericht geschlichtet. Der Ortsname „Am Dingblech“, der heutige Friedrich-Ueberweg-Platz, weist auf diese alte Gerichtsstätte hin.

Das Sendgericht (Kirchengericht) schließlich erfüllte neben seinen kirchlichen Belangen in erheblichem Umfange ge-meindliche Aufgaben, so zum Beispiel Aufsicht über Wege und Brücken des Kirchspiels und Armenpflege. Vom 14.Jahrhundert an gehörte Leichlingen zum Amt Miselohe und bis 1808 wurde nach der bergischen Amtsverfassung verwaltet. 1806 wurde das Herzogtum Berg von Frankreich annektiert und das französische Verwaltungssystem eingeführt. Leichlingen gehörte mit Opladen und Bürrig zur „Sammtgemeinde“ oder Mairie Opladen. Der Maire, der Bür-germeister, bekleidete sein Amt ehrenhalber; ihm zur Seite standen Beigeordnete und Munizipalräte (Gemeinderäte). Nach dem Wiener Kongreß fielen die ehemaligen Herzogtü-mer Kleve, Berg und Geldern an Preußen; Leichlingen wurde als selbständige Gemeinde Teilstück des Kreises Opladen. Die Gemeinden Opladen, Wiesdorf, Bürrig, Neukirchen und Leichlingen bildeten eine Bürgermeisterei, in deren Gemein-derat Leichlingen mit zwei Abgeordneten vertreten war. Allmählich verwandelte sich das bisher ehrenhalber geführte Amt des Bürgermeisters in ein Berufsamt, und Leichlingen erhielt am 19. Dezember 1818 als größte Gemeinde der Munizipalität Opladen eine eigene Bürgermeisterei mit einem hauptamtlichen Bürgermeister. Am 1.1.1819 trat Josef Everhardt, Beigeordneter in Opladen, seinen Dienst in Leich-lingen an. Von seiner schon geschilderten Amtsstube in der Mittelstraße aus verwaltete er zwei Kirchen, vier Schulen, zwei Kommunalzweckhäuser und 505 Wohnhäuser mit ins-gesamt 815 Feuerstellen.

Foto vom alten Rathaus

Nach kurzer Amtszeit folgte Peter Müller, von dem der Landrat Georg von Hauer zu berichten wußte, daß er „ein tätiger und geschickter junger Mann, bis jetzt einstweilig der brauchbarste und zuverlässigste unter seinen Kollegen im Kreise“ sei. Die Verwaltungsgeschäfte übte er in seiner Wohnung am Johannisberg aus; ihm zur Seite standen 16 Bürger im Gemeinderat von Leichlingen. Bürgermeister Müller übernahm nach zehnjähriger Dienstzeit in Leichlingen das Bürgermeisteramt in Dorp.
Als Nachfolger wurde Eduard Pilgram, wohlhabender Tuchfabrikant, gewählt

Mit der einsetzenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert stand der Ausbau des Verkehrsnetzes im Ort an vorrangiger Stelle. Die soziale Situation verschlechterte sich in den vierziger Jahren ständig. Besonders hart betroffen wurden die zahlreichen Weberfamilien in Leichlingen. Durch den Straßen- und Wegebau versprach sich die Verwaltung eine Linderung der Not. Eine Wegebaukommission wurde gegrün-det, die Arbeitslose zu Straßenbautrupps formierte. Die Ge-meinde konnte jedoch der Notlage nicht Herr werden. Land und Kreis beteiligten sich an Hilfsaktionen, und wir können lesen, daß 1847 an die Leichlinger Notleidenden Roggen, zu zwölfpfündigen Broten gebacken, verteilt wurde. Durch die Arbeitslosigkeit verdunkelte sich das politische Klima von Tag zu Tag und löste Spannungen aus.
Die provokative Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV und der Reichsverfassung, wie sie vom Parlament in der Paulskirche in Frankfurt beschlossen worden war, eskalierte in den Volksaufständen von 1849. In Leich-lingen ließ am 11. Mai der Lehrer der evangelischen Ortsschule, Moritz Würpel, die Sturmglocke läuten und forderte die Bürgerschaft auf, sich am folgenden Morgen einer nach Düsseldorf marschierenden Schar von Bewaffneten anzuschließen. Bürgermeister Pilgram, ein hochgebildeter und intelligenter Mensch, zog es vor, nach Köln zu fliehen, um nicht gezwungen zu sein, dem Zug (dem sich im übrigen aus Leichlingen niemand anschloß) zu folgen. In seinem Demissionsgesuch formulierte er, daß er nicht bereit gewesen wäre, gegen seine Freunde vorzugehen.

Bürgermeister Pilgram widmete sich fortan nur noch seinen Geschäften als Kaufmann. Als neuer Bürgermeister wurde Johann Peter Mebus eingeführt, der in Leichlingen an der Brücke eine kleine Landwirtschaft betrieb. Seine Sporen hat-te er sich als Gemeindevertreter und als Beigeordneter bereits verdient. Bürgermeister Mebus verlegte die Bürgermeisterei vom Bechlenberg (heute Mittelstraße 69) in seine Wohnung an der Brücke (heute Brückenstraße 16) und „regierte“ Leichlingen mit Hilfe eines Sekretärs und eines Polizeidieners, denen er im großen und ganzen die Verwaltungsgeschäfte überließ.

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Foto altes Rathaus

Die Einwohnerzahl Leichlingens stieg von 3250 im Jahre 1819 auf 4332 im Jahre 1858, und am 24.9.1856 wurden der Bürgermeisterei Leichlingen die Stadtrechte verliehen. Die Verwaltung der Stadt erfolgte nach der Städteordnung für die Rheinprovinz, die am 4. Februar 1856 verabschiedet wurde. Vorgängerin war die Gemeindeordnung für die Rheinprovinz vom 23. Juli 1845, die für jeden Kommunalverband mit eigenem Haushalt den Gemeinderat schuf. Die rheinische Gemeindeordnung ging in der preußischen Gemeindeordnung von 1850 auf.
Danach wählte der Gemeinderat seinen Bürgermeister und die besoldeten Mitglieder des Gemeindeverbandes für zwölf Jahre. Die Wahlperiode des Gemeinderates selbst war auf sechs Jahre beschränkt. Seine Erneuerung ging zu einem Drittel in zweijährigem Turnus vor sich. Der Bürgermeister war gleichzeitig Leiter der Verwaltung und Repräsentant von Bürgerschaft und Gemeinderat.

Das erste Rathaus


Foto von Bürgermeister Friedrich Wirtz

Dem 1866 in den Ruhestand getretenen Bürgermeister Mebus folgte Friedrich Wirtz.
Friedrich Wirtz stammte aus Leichlingen, wo sein Vater angesehenes Mitglied des Gemeinderates war. Er leitete die Gemeindegeschäfte vorbildlich und aktiv.

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Foto von altem Rauthaus

Der weitere Ausbau des Wegenetzes zählte zu seinen vordringlichen Aufgaben. Das Stadtbild veränderte sich. Neben neuen Schulen im Ortsteil westlich der Wupper entstanden in der Ortsmitte eine Apotheke, Sparkasse, Krankenkasse und eine Telegraphenstation. Als Wirtz 1890 in den Ruhestand ging, wählte der Gemeinderat im selben Jahr aus dem Kreise von 80 Bewerbern den Kreissekretär Gustav Dahlmann zum Bürgermeister. Geplante Projekte seines Vorgängers, zum Beispiel ein eigenes Rathaus, führte er aus.

Zeichnung von altem Rathaus

Die Stadt Leichlingen war damals stolz darauf, die bürgerschaftliche Selbstverwaltung durch das neue Rathaus von 1891 an der Neukirchener Straße zum Ausdruck zu bringen. Zielstrebig sanierte Gustav Dahlmann die Wasserversorgung in Leichlingen, und auch die zügige Versorgung der Stadt Leichlingen mit Elektrizität ist auf sein Engagement zurückzuführen.

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Foto von Bürgermeister Dahlmann

1902 lief die Amtszeit von Bürgermeister Dahlmann aus. Spannungen zwischen ihm und einigen wohlhabenden einflußreichen Leichlinger Bürgern führten zu seiner Niederlage, als er sich zur Neuwahl stellte. Einstimmig wählte der Gemeinderat 1902 den Verwaltungssekretär der Regierung in Düsseldorf, Ernst Klein, gebürtiger Ostpreuße, zum Bürgermeister.
Schaffung des Stadtwappens, Neubau eines Postgebäudes und die Eindeichung und Regulierung der Wupper mit Brückenbau in der Stadtmitte gehörten zu seinen Initiativen.

Im Jahre 1920 kaufte die Stadt Leichlingen das 1872 erbaute Weyermannsche Haus. Die Verwaltung ließ sich hier nieder, und das erste Rathaus von Leichlingen diente fortan als Domizil für die Stadtsparkasse. Heute wacht von hier aus die örtliche Polizeistation über die Sicherheit und Ordnung in unserer Stadt.

Foto einer Person

Nach Ablauf seiner zweiten Wahlperiode trat Klein in den Ruhestand. Der Syndikus des Arbeitgeberverbandes Solingen, Paul Gerhardt, folgte ihm im Amt. „Keiner Partei dienstbar, werde ich bestrebt sein, die Verwaltungsgeschäfte, soweit es Staats- und Gemeindeinteressen zulassen, vor aller Öffentlichkeit, in aller Offenheit zu führen. Das Rathaus ist keine Dunkelkammer, es soll ein Ort sein des Vertrauens, nicht des Mißtrauens,“ sagte er vor dem Stadtrat bei seiner Amtseinführung.
Schul- und Bildungsfragen waren seine vorrangigen Betäti-gungsgebiete, und die Grundschule an der Uferstraße zeugt noch heute von seinem Schaffen.
Sieben Jahre Amtszeit waren ihm in Leichlingen vergönnt. 1933 wurde der Tätigkeit des regen, aber auch eigenwilligen Kommunalbeamten ein jähes Ende gesetzt. Seine erbittertsten Gegner, die Nationalsozialisten, vertrieben ihn aus dem Rathaus und schleiften ihn durch die Stadt. Die bürgerschaftliche Selbstverwaltung kam zum Erliegen. 1934 über-trug die Regierung die Amtsgeschäfte der Bürgermeisterei Leichlingen Hans Gerhard, vorher Verwaltungschef in Melle. Ihm blieb die Amtsführung mit Eigeninitiativen versagt. Als Verwaltungsbeamter versuchte er aber, Auswüchse der parteipolitischen Ideologien von Leichlingen fernzuhalten.

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Foto einer Person

Nach dem Zusammenbruch 1945 begann der demokratische Aufbau. Die Militärregierung ordnete an, aus den vier politischen Parteien, CDU, SPD, FDP und KPD, eine Gemeindevertretung zu wählen. Dieser neue Stadtrat trat am 30. September 1946 erstmals zusammen. Die Zweigleisigkeit der Verwaltung wurde nach englischem Muster eingeführt: der Bürgermeister als Vorsitzender des Rates der Gemeinde und gleichzeitig deren Repräsentant auf der einen und der Stadtdirektor als Leiter der Verwaltung auf der anderen Seite.

Zuständig für alle Angelegenheiten der Gemeinde wurde der Rat der Stadt. Beide, Bürgermeister und Stadtdirektor, werden vom Rat der Stadt gewählt, der Bürgermeister für die Dauer der Legislaturperiode, der Stadtdirektor für die Dauer von zwölf Jahren.

Drei Fotos von Personen

Zum Stadtdirektor wurde Florenz Vieth gewählt. Als erster Bürgermeister nach dem Kriege trat Heinrich Gier 1946 sein Amt an. Ihm folgte 1947 Konrad Klipp.
Die Folgen des Zusammenbruchs waren zu bewältigen, die Verwaltung zu reorganisieren, 2.300 Neubürger mußten integriert werden. Florenz Vieth trat 1953 in den Ruhestand.

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  • Foto einer Person
  • Foto von zwei Personen

Als Nachfolger wurde Heinrich Stiefken, Stadtamtmann aus Opladen, berufen. Mit Tatkraft, Zielstrebigkeit und Geduld legte er mit dem Rat der Stadt Leichlingen und seinen Repräsentanten, den Bürgermeistern Heinrich Hansmeyer, Willy Mühlen und Walter Schüller den Grundstock für das moderne heutige Leichlingen: Ausbau des Straßennetzes, Neubau von Schulen, Industrieansiedlung, Kanalbau, Errichtung neuer Stadtviertel.

Das neue Rathaus: Planung und Bau


Foto eines Gebäudes

Ein wichtiger Grund für die Ratsentscheidung am 19. Oktober 1971, ein modernes Verwaltungsgebäude zu bauen, war die Bevölkerungsexplosion in den 60er Jahren, als Leichlingen von rund 14.000 auf 20.500 Einwohner wuchs. Folglich stieg auch die Zahl der Verwaltungsmitarbeiter, so daß das alte Rathaus Am Hammer 8 aus allen Nähten platzte. Obwohl das gesamte Baudezernat in einem Montagebau unter-gebracht war, herrschte akute Raumnot in dem ursprüng-lich als Privathaus errichtetem „Lindenhof“. Zudem sollte das Schulzentrum Am Hammer - bestehend aus Realschule und Gymnasium -, um eine Hauptschule erweitert werden.
Das Gelände, auf dem sich das alte Rathaus befand, wurde hierfür dringend benötigt. Der Plan ein neues – zweites – Rathaus zu bauen, bestand schon während der Amtszeit von Stadtdirektor Heinrich Stiefken (1953-1971).

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Um im Hinblick auf die Gebietsreform 1975 auch verwaltungstechnisch gut vorbereitet zu sein, war die Stadt Leichlingen Anfang der siebziger Jahre mit viel Einsatz und großer Ausdauer dabei, die örtliche Infrastruktur zu verbessern und zu vervollständigen. Mit dem Bau eines neuen Rathauses sollte ein weiterer, bedeutungsvoller Schritt auf diesem Weg getan werden.

Foto von Stadtdirektor Otto Birkendahl

Der am 29.06.1971 – als Nachfolger von Heinrich Stiefken – für 12 Jahre zum Stadtdirektor gewählte Otto Birkendahl trieb angesichts des drohenden Souveränitätsverlustes als Folge der Gebietsreform den Rathausneubau mit aller Kraft voran.

Bis Ende des zweiten Weltkrieges orientierten sich die Verwaltungsbauten an hierarchischen Vorstellungen und an der inneren Struktur der Verwaltung. Der gewaltige Aufgabenzuwachs für die Verwaltung und die Einführung informationsverarbeitender Maschinen zwang zu neuen Überlegungen.

Baulich und technisch sollte das neue Verwaltungsgebäude einen möglichst reibungslosen Geschäftsablauf gewährleisten. Auch sollten die Bürgerinnen und Bürger alle Dienststelle leicht finden.

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Foto des geplanten Bauplatzes

Auf der anderen Seite war die öffentliche Hand schon damals gehalten, mit den ihr anvertrauten Steuermitteln so sparsam und wirtschaftlich wie möglich umzugehen. Weder Großmannssucht noch übersteigerte Selbstdarstellung waren gefragt. Das Rathaus sollte deshalb kein Prunkbau, sondern ein rational durchdachtes, nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten errichtetes Gebäude mit zweckmäßiger Ausstattung im Stadtkern werden.

Es entstand die Idee des Baus eines Mehrzweckgebäudes, in dem Verwaltung, Hotellerie, Restaurant, Ärztepraxen und Wohnungen ihren gemeinsamen Platz finden sollten.
Und was als ein Modellfall in NRW eingehen sollte; Bauher-ren waren die Stadt Leichlingen und ein privater Investor – die Wohnungsbauverwaltung Günter Cremer aus Leichlin-gen.
Diese Konstellation setzte aber voraus, daß die Eigentumsverhältnisse - insbesondere der gemischt genutzten Gebäude und der Einrichtungsbereiche - klar im Sinne des Woh-nungseigentumsgesetzes gegliedert und hinsichtlich ihrer anteilmäßigen Nutzung bestimmt und festgelegt wurden.

Dabei verpflichtete sich die Verwaltung, den Bau des Verwaltungsteiles, des Sitzungssaales und der Hausmeisterwohnung zu finanzieren.

Foto der Baustelle

Die Finanzierung des nichtöffentlichen Bauteils – wie Hotel mit Nebenräumen und Restauration („Ratskeller“) - fiel in den Aufgabenbereich der Wohnungsbauverwaltung. Gleichzeitig verpflichteten sich die Stadt und der private Investor zum teilweisen Herstellen und Finanzieren des gemein-schaftlichen Eigentums wie der Außenanlage, darunter Parkplätze, Garagen und Grünanlagen.

Die Kosten der laufenden baulichen Unterhaltung gemein-samer Einrichtungen wurden – und werden bis heute – nach dem Miteigentumsanteil bemessen.

Stadtdirektor Otto Birkendahl war bestrebt, den Bau des Verwaltungsgebäudes sorgfältig architektonisch und bau-technisch zu planen und so den organisatorischen Erforder-nissen anzupassen. Gleichzeitig wußte er, daß es nicht nur darum ging, der Verwaltung mehr Raum zu geben, sondern vielmehr auch die bürgerschaftliche Selbstverwaltung in Er-scheinung treten zu lassen. Bei der Gestaltung der Räume für das Rathaus mußten deshalb die Überlegungen zur funktionellen Gestaltung in Einklang gebracht werden mit den Wünschen des Bürgers, der die Verwaltung aufsucht.

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Foto der Baustelle

Bereits bei der Planung des Rathauses bewies Stadtdirektor Otto Birkendahl Weitblick. Das Haus wurde aus Betonfertigteilen errichtet und die äußeren Zwischenräume mit Baumasse gefüllt. Von Anfang an war geplant, Veränderun-gen der Raumnutzung relativ leicht zu ermöglichen. Im Inneren des Rathauses wurden die Wände so installiert, daß sie jederzeit ohne viel Aufwand und flexibel versetzt werden können. Die Verwaltung hat bislang in reichlichem Maße davon Gebrauch gemacht.

Die zur damaligen Zeit in Mode gekommenen Klimaanlagen in öffentlichen Einrichtungen und Geschäftshäusern lehnte Birkendahl wegen möglicher gesundheitlicher Anfälligkeiten für die Rathausbediensteten ab. Im Erdgeschoß - dem einzigen Großraumbüro des Verwaltungsgebäudes - wurde eine Belüftungsanlage installiert. Zudem sollten alle Bediensteten selbst die Belüftung der Büros durch Öffnen und Schließen der Fenster regulieren können. Die Versorgung mit Erdgas wurde auf das Dach verlegt. Die Statik des Mehrzweckgebäudes ist so ausgerichtet, daß die Aufstockung durch ein weiteres Geschoß jederzeit umgesetzt werden kann. Der Auftrag für die Beschaffung der Möblierung erhielt – aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit – ein Unternehmen, das die Auflage bekam, alle Arbeitsplätze komplett einzurichten.

Selbst die Bepflanzung der Außen- und Grünanlagen wurde nicht dem Zufall überlassen. Der „neue“ Stadtpark, südlich der Montanusstraße und bis in die Rathauszone reichend, ist nach Plänen von Gartenbaudirektor i.R. de Cleur aus Neuss gestaltet worden.

Foto der neuen Rathauses

Die Stadt ließ sich die Anlage etwas kosten, da sie weitgehend bereits 15 Meter hohe Bäume anpflanzte, die schneller den Eindruck eines richtigen Parks vermitteln sollten.

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Luftaufnahme vom neuen Rathaus

Nach den Plänen des Architektenbüros Heuser & Henneböhl in Leverkusen entstand ein Gebäudekomplex in L – Form, in dessen fünfstöckigem Hauptteil das Rathaus untergebracht wurde. Dazu kamen das Hotel – mit 62 Betten -, das Restaurant „Bergische Stuben“, eine Zweigstelle der Stadtsparkasse, Ärztepraxen und Wohnungen. Die Kosten für den Verwaltungsteil nebst Stadtbücherei und Hausmeisterwohnung sowie Ersteinrichtung beliefen sich auf 5.298.000 Mark.
Bei der Grundsteinlegung am 31. Mai 1972 wurde eine Urkunde eingemauert, auf der sich folgender Wortlaut befindet: „Es ist der Wunsch der Verwaltung, des privaten Bauherrn und der Architekten, das Mehrzweckgebäude in Leichlingen zum Verbindungsfaktor zwischen Bürgerschaft und Verwaltung zu entwickeln. Es ist unser Wunsch, daß das Haus in der glücklichen Kombination von Verwaltung und Gewerbe, herausgelöst aus der Tradition der Amtsstuben, einen zentralen Punkt des Bürgerinteresses und des Bürgerwillens in einer weiterhin selbständigen politischen Einheit  Leichlingen schafft.

Umbau, Aus- und Umzüge


Foto neues Rathaus

Am 11. August 1973 – nach 14monatiger Bauzeit – konnte das Rathaus im Rahmen der 1000-Jahr-Feier seinen Bestimmungen übergeben werden.

Doch auch das neue Gebäude wurde nicht nur mit der Übernahme der Witzheldener Verwaltungsangestellten im Jahre 1975 wieder zu klein. Die unendliche Geschichte der Um- und Auszüge im Leichlinger Rathaus setzte sich in Gang. Zunächst traf es die drei Fraktionen SPD, CDU und FDP, die ihre Fraktionsbüros für Verwaltungsbelange abtreten mußten. Weitere Abteilungen und Ämter sollten folgen.

Immer wieder erforderten neue städtische Aufgaben zum Teil neues geschultes Personal und Räumlichkeiten. Aber auch Privatisierungsgedanken und der Wunsch nach einer „schlanken Verwaltung“ wurden Anfang der 90er Jahre immer lauter.

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Foto einer Person

Die Fertigstellung des Millionenprojektes „Brückerfeld“ - einer bereits Ende der 70er Jahre geplanten und kalkulierten Stadtkernsanierungsmaßnahme - erfolgte 1987 unter Stadtdirektor Hans Georg Kinzel – der im August 1983 für acht Jahre zum Verwaltungschef gewählt worden war – und Bürgermeister Karl Reul (1975 bis 1994), der mit seiner 19jährigen Dienstzeit als bislang zeitlängster ehrenamtlich tätiger Bürgermeister in die Rathausgeschichte eingeht.

Foto einer Person

Mit Beendigung der Sanierungsmaßnahme „Brückerfeld“ ging einer der größten städtebauplanerischen Arbeiten der 80er Jahre im Stadtkern zu Ende. Stadtdirektor Kinzel war es auch, der entscheidend bei der Veränderung der Rechtsform der Stadtwerke in eine GmbH mitgewirkt hatte.

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Nach Fertigstellung der Dorfkernsanierung in Witzhelden wurde das Referat 19 – Stadtentwicklung, -sanierung und Wirtschaftsförderung Anfang der 90er Jahre umorganisiert und einzelne Aufgabenbereiche dem Baudezernat zugeordnet. Das Referat 19 war sicherlich eines der umzugsfreudigsten Abteilungen. Vom Rathaus in die Pförtnerloge von Simons und Frowein, zur Baubaracke im Brückerfeld, von der Verwaltungsnebenstelle Am Schulbusch 16, vorübergehend für einige Zeit im Rathaus untergebracht, zog das Referat in den 90er Jahren ins Brückerfeld  1-7.

Foto von Stadtdirektor Gerhard Lenz

1990: Das Jahr des Asylanten- und Aus- u. Übersiedlerstromes. Übergangsheime und öffentliche Einrichtungen wurden schnell und kurzfristig benötigt. Längst war im Rathaus kein Zimmer mehr frei. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes für Schule Kultur und Sport – die bereits in den 80er Jahren aus dem Rathaus heraus in die Verwaltungsnebenstelle Am Schulbusch 16 ausweichen mußten, räumten erneut die Büros, um ihr neues Domizil im Bürgerhaus und Weyermannhaus, Am Hammer 9 und 10, zu be-ziehen.

Die dringenden Auflagen des Regierungspräsidenten Köln, ein Abwasserbeseitigungskonzept und eine jahrelang fortgeschriebene Prioritätenliste in Bautätigkeit umzusetzen, fielen in die Amtszeit von Stadtdirektor Gerhard Lenz (1991 bis 1997).

Direkt zu Beginn seines Dienstantritts nahm Stadtdirektor Lenz neben seinen Aufgaben als Verwaltungschef auch zweieinhalb Jahre die Aufgaben des Werkleiters des neu installierten Städtischen Abwasserbetriebes (STAB) wahr und ließ in dieser Zeit so viele neue Kanäle bauen und alte sanieren, wie es Leichlingen und Witzhelden in vielen Jahren zuvor nicht mehr erlebt hatten. Die räumliche Unterbringung des STAB erfolgte aus Platzmangel nicht im Rathaus, sondern Im Brückerfeld 1-3.

Die Finanzmisere der Stadt ließ immer wieder die Frage laut werden, welche Bereiche der Verwaltung privatsiert werden können.

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Foto von Gebäude

So rief im März 1997 die drohende Schließung der Leichlinger Schwimmbäder einen Förderverein auf den Plan. Durch Spenden, Werbung, ideelle und praktische Unterstützung ist er seither bestrebt, beide Bäder wieder aufblühen zu lassen.
Überlegungen, die Pflege der Grünanlagen ab 1998 zu privatisieren und durch Fachbetriebe preiswerter erledigen zu lassen, wurden unter Stadtdirektor Lenz 1997 eingeleitet. Eine rückläufige Zahl an Aus- und Übersiedlern, die in der Regel auch nur kurzfristig in den Übergangsheimen untergebracht werden mußten, führte dazu, daß die Räumlichkeiten in der Verwaltungsnebenstelle nach einigen Jahren der Verwaltung wieder als Arbeitsräume zur Verfügung standen.

Zeichnung eines Gebäudes

Um zum einen hohe Mietkosten zu sparen, zum anderen Aufgaben zu bündeln und zu zentralisieren, wurde der STAB als Eigenbetrieb organisatorisch dem Baudezernat zugeordnet. Zunächst zog der städtische Abwasserbetrieb vom Brückerfeld in die Verwaltungsnebenstelle Am Schulbusch 16.
Ihm folgte 1997 das Baudezernat – mit Ausnahme des Hochbauamtes.
Damit war eine komplette Verwaltungseinheit unter Dach und Fach. Die in der vierten Etage des Rathauses freigewordenen Räumlichkeiten wurden zu Beginn des Jahres 1998 nahtlos vom „neuen“ Jugendamt – einer bis dahin vom Rheinisch-Bergischen Kreis wahrgenommenen Aufgabe – bezogen.
Das Amt für Schule, Kultur und Sport war 1997 bereits einige Monate zuvor ins Rathaus zurückgekehrt. Geldnöte hatten den Rat veranlaßt, das Weyermannhaus zu veräußern.

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Foto vom Rathaus
Foto von Bürgermeister Ernst Müller

Eine geänderte Kommunalverfassung machte es möglich: Am 20. Oktober 1997 wählte der Rat der Stadt Leichlingen Ernst Müller zum hauptamtlichen Bürgermeister. Bürgermeister Müller, der seinen Dienst am 02.01.1998 antrat, ist somit nicht nur oberster Repräsentant, sondern auch Chef der Verwaltung.

Sein Hauptziel ist der Umbau der Verwaltung zu einem modernen Dienstleistungszentrum. Umstrukturierungen des Ämterdschungels innerhalb des Rathauses und Serviceverbesserungen für die Bürgerschaft stehen für ihn an oberster Stelle. Die frühzeitige und umfassende Unterrichtung der Öffentlichkeit über die Vorgänge und Ereignisse in der Stadt mit dem Ziel, der Bürgerschaft eine starke innere und äußere Teilnahme an der eigenen Selbstverwaltung zu ermöglichen und das Verständnis für die Verwaltungsarbeit zu wecken, möchte Bürgermeister Müller mittels einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit gefördert wissen.

Bürgermeister Ernst Müller:Mit dem ständigen Anwachsen der staatlichen und kommunalen Aufgaben und der für den Bürger oft unüberschaubaren Flut von Gesetzen und Verordnungen, die das öffentliche Leben heute regeln, hat die Bedeutung der zentralen kommunalen Einrichtung „Rathaus“ eher noch zugenommen.

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