Foto vom Altenhof

Der Altenhof

Im Tal der Wupper bei Nesselrath am Fuße des Bongerts und Heidbergs liegt der Altenhof. In Teilen zeitgenössisch hergerichtet, lässt sein Äußeres nicht vermuten, dass er zu den ältesten Höfen Leichlingens zählt. 1589 werden die Eheleute Thielgen und Entgen im Altenhof genannt. Die Vormünder ihrer Tochter verzichteten 1602 zu Gunsten des Edlen Wilhelm Ketteler zu Nesselrath auf den Hof. Warum, wissen wir nicht. In dem Heberegister zu Nesselrath uff Martiny Anno 1605 heißt es: 

"Jan Mengen im Altenhof gibt 18 Goldgulden, 
2 Kapaunen, 50 Eier". 

In einer Auflistung aller Schatzgüter, die die Scheffen zu Leichlingen 1641 anfertigten, wird ausgeführt:

"ltem Wilhelm Kettler hatt ungefehr vor viertzig jahren etliche Lenderey auf der Schatzgüthern zu Klein-Nesselrath und Altenhoff in die Freygüther des Stammhauses Neßelrath gezogen".

Es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Die Not war groß. In einem Schreiben des Leichlinger Scheffen, auch aus dem Jahre 1641, lesen wir: "Vielen von kaiserlichen und hessischen Völkern (erbarms Gott) dergestalt formentiert, beängstiget und execuert worden, dass kaum ein bischen
Brot in Frieden essen oder im Scaff (Schaff: Gefäß, Schrank) behalten mögen."
Altenhof war zumindest von 1602 an ein Pachtgut von Nesselrath.

Altenhof ist kein Ursprungsname. Ein Hof konnte erst so genannt werden, wenn etwas Neues in der Nähe entstanden war: ein neuer Hof. War es nun das "Schloss Nesselrath‘, wie es Heinrich Gier in seiner Schrift "Kreuz und quer durch Leichlingen" annimmt? 
Er meint, dass der Gründer dieser Burg vorher als Landedelmann im alten Hof wohnte. Als sich das Ritterwesen mehr ausbildete und die Adelssitze zu Festungen ausgebaut wurden, habe sich die Lage des alten Hofes als ungünstig erwiesen. Er sei weder als Wasser- noch als Höhenburg ausbaubar gewesen. So baute man den neuen Hof, die Burg, dorthin, wo ein schützender Wassergraben geschaffen werden konnte.
Vor den Toren des alten Hofes solI 1199 die "Böhmenschlacht" stattgefunden haben. In der Zeit des Kronstreites zwischen Otto von Sachsen und Philipp von Schwaben stellte sich Adolf V. von Berg auf die Seite seines Gönners Otto von Sachsen und eilte diesem mit einer Heerschar zu Hilfe. 
Philipp von Schwaben soll nun "eine Horde wilder Böhmen" aufgehetzt haben, Köln und das Bergische zu überfallen. Einige Städte wurden geplündert und gebrandschatzt. Die Feste Bensberg leistete jedoch unter ihrem Vogt Kurt von Arloff kräftigen Widerstand. 

Die Böhmen mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen. Kurt von Arloff verfolgte sie und soll sie in Leichlingen vor Nesselrath niedergemetzelt haben. Die Schlacht, die urkundlich nirgendwo bezeugt ist, wurde viel in Reimen verherrlicht, und noch im vorigen Jahrhundert lebte sie in Bensberg und Umgebung in einem viel gesungenen Pfingstlied:
 

Auf, gebet uns das Pfingstei,
Hei Rosenblümeleinl
Und reicht den kühlen Trunk herbei, Hei Rosenblümelein!
Freu dich, wackres Mägdelein.

Wir kommen von dem Bensberg
Hei Rosenblümelein!
Die Heiden stürmten dort den
Berg, Hei Rosenblümeleinl usw.

Sie wollten han die Veste. Das waren böse Gäste!
Sie stürmten Thor und Mauer
Von Pfeilen regnet es ein Schauer.

Und als die Pfeile verschossen sein, 
Da regnet es nieder Mauerstein.

Bergab zog da der Böhmen Zahl 
Bergab ins schöne Wupperthal.

Der Junker Hans war da im Gang, 
Verstand sich auf den Vogelfang.

Die Stadt an dem Wupperstrand 
Ward Leichelingen da genannt.